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Serien-Kritiken

Wandavision - Staffel 1 (Disney+)

Wer etablierte Formeln satt hat, findet in Wandavision einen Beweis dafür, dass Bereitschaft zur Diversität besteht.

WandaVision [S01E01-03] (Disney+)WandaVision [S01E01-03] (Disney+)

"Was ist Trauer, wenn nicht Liebe, an der festgehalten wird?" Diese Zeile stammt aus der vorletzten Folge von Wandavision und sie fasst diese ehrgeizige und von ganzem Herzen stammende Sichtweise auf eine Superhelden-Show, die sich so sehr darum bemüht, die Bandbereite des Formats aufzuzeigen, perfekt zusammen. Bei Wandavision geht es letztendlich um Trauer und darum, mit Verlust fertig zu werden, wenn man nicht die Macht hat, das traumatische Ereignis, das einen in diese Situation gebracht hat, entweder direkt zu konfrontieren oder gar umzukehren. Es ist ein treffender Blickwinkel auf eine Show, die von Anfang an darauf bestand, anders zu sein. Und die damit die meiste Zeit über auch sehr erfolgreich ist.

Das Setup von Wandavision ist wirklich fantastisch. Das überzeugende Bühnenbild wird nicht nur von einem faszinierenden, übergreifenden Mysterium zusammengehalten, einige ergreifende Fragen zu den Themen Autorität, Macht und Verlust ziehen sich ebenfalls durch das gesamte Format. Wir reisen in Wandavision durch verschiedene Epochen der Fernsehgeschichte, beginnend in den Fünfzigerjahren bis hin zum heutigen Tag. Während sich die Show von einer Vielzahl geliebter Fernsehklassiker inspirieren lässt, erweitern die Schöpfer das übergeordnete Geheimnis stetig.

Gleichzeitig halten uns einige Schnappschüsse, die von David Lynch stammen könnten, auf Trab und erinnern uns daran, dass die Welt von Westview falsch ausgerichtet ist. Die ersten fünf oder sechs Folgen halten sich zum Glück noch an das Sitcom-Setup. Gleichzeitig dienen diese Episoden dazu, die Spannung und die Welt außerhalb Westviews aufzubauen, uns die Schlüsselfiguren vorzustellen sowie uns in die übergreifende Erzählungen einzuführen. Die Dualität funktioniert meistens, aber es wird natürlich sofort klar, dass der liebenswerteste und interessanteste Teil von Wandavision die beiden Hauptfiguren Wanda Maximoff und The Vision sind.

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Ihre anhaltende Liebe und ihr unendlicher Respekt voreinander bilden die zentrale Basis dieser Show. Das liegt vor allem an den fantastischen Darstellungen von Elizabeth Olsen und Paul Bettany, die ihre jeweiligen Superhelden-Persönlichkeiten bislang nicht erfolgreicher zum Leben erwecken konnten. Die charismatische Schauspielerei der beiden Hollywood-Größen gleicht sogar einige der schwächeren Elemente der Shows aus.

Dazu gehört sicherlich der zentrale Bösewicht der Serie, Agatha Harkens. Sie ist eine Figur, die sich als eine Art "Aha-Moment" herausstellt, aber am Ende ziemlich viel Potential liegen lässt. Die zentrale Enthüllung wird nicht nur relativ unverblümt eingeführt, sie muss die meiste Zeit über auch an der Seitenlinie Platz nehmen, da Wanda und die Illusion, die sie aus ihrem Kummer heraus geschaffen hat, weiterhin im Mittelpunkt der Geschichte stehen - selbst nachdem Agatha ihre böswillige Absicht offenbart hat. Es ist auch teilweise ihre Schuld, warum die Show in der vorletzten Folge eine ordentliche Menge Dampf einbüßt. Diese spezielle Zeitreise durch Wandas Vergangenheit fühlt sich ebenso fehlplatziert wie erzwungen an und trägt leider überhaupt nicht zur Kohärenz der Geschichte bei; es ist wenig mehr als Zeitverschwendung.

Die Show erholt sich davon im Finale jedoch wieder und bringt klassische Marvel-Action-Sequenzen voller Elan und Power, sowie einige wirklich tolle Dialoge mit sich. Die Gesamtqualität der Show hängt stark davon ab, wie der zentrale Erzählstrang aufgenommen wird, der in den ersten Sitcom-lastigen Episoden angestoßen wurde. Glücklicherweise gelingt es Wandavision am Ende trotz einiger Stolpersteine, über lange Zeit hinweg aussagekräftige Schlussfolgerungen zu ziehen.

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Wandavision ist meiner Meinung nach ein erfolgreiches Experiment, das beweist, dass Marvels Superheldengeschichten in völlig verschiedenen Erscheinungsformen existieren können. Es sieht wunderschön aus, es ist gut geschauspielert und hochwertig inszeniert worden. Die Geheimnisse, die Handlung und die Exposition werden gut genug aufgezogen, um sowohl innovativ als auch zufriedenstellend zu sein.

Es gibt ein paar Dinge, die ich persönlich ändern würde, wenn ich könnte: Die gesamte achte Episode würde ich aus der ersten Staffel löschen, die ist nämlich Quatsch. Außerdem würde ich gerne ein bisschen mehr von Evan Peters' Quicksilver-Darstellung sehen, um mich stärker ins X-Men-Universum von Fox lehnen zu können. Deutlich besser würde das Ergebnis am Ende wahrscheinlich gar nicht sein, denn es sind vergleichsweise kleine Kritikpunkte.

Wandavision ist ein Beweis für Marvels Fähigkeit, verschiedene Geschichten mit ihren Charakteren zu erzählen. Wenn ihr die etablierte Superhelden-Formel satt habt, dann bekommt ihr hier nicht nur einen Hauch frischer Luft zu spüren, sondern auch einen Beweis dafür, dass auch in der Filmbranche die Bereitschaft zur Diversität besteht. Ich freue mich darüber und wenn ihr Marvel schätzt, dann solltet ihr das auch tun.

WandaVision [S01E01-03] (Disney+)WandaVision [S01E01-03] (Disney+)
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
zeigt die Bereitschaft zur Diversifizierung auf, Olsen und Bettany sind fantastisch, das Bühnenbild ist die ganze Staffel über brillant.
-
zentraler Bösewicht ist ein bisschen blass, hätte sich ein bisschen mehr in die Geschichte von Evan Peters' Quicksilver hineinlehnen können.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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