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Nach über zehn Jahren läuft Singstar immer noch und bekommt für die PS4 einen neuen Anstrich. Vielleicht hätte sich Sony aber dafür doch mehr Zeit nehmen sollen.

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Als Sony im Mai zum zehnjährigen Jubiläum von Singstar bekannt gab, dass die Karaoke-Serie auf die Playstation 4 kommt, war die Freude groß. Komplett neue Oberfläche, ein Erfahrungspunkte-System und mehr soziale Funktionen standen auf der Agenda. Angekündigt wurde obendrein eine schicke App, die aus unserem Smartphone ein Mikrofon macht sowie endlich eine neue Edition auf Disc. Und versprochen wurde außerdem, dass man seine Songs kostenfrei auf die neue Konsole übertragen kann - ganz ohne Einschränkung. Dafür nahm man gern in Kauf, dass es seit dem Frühjahr keine Aktualisierung mehr im Singstore gab. Das Team in London wollte sich voll auf das neue Spiel konzentrieren.

Womit Sony nun an den Start gegangen ist, enttäuscht allerdings auf so vielen Ebenen, dass kaum begreiflich ist, wieso dern Launch nicht einfach verschoben wurde. Die neue Oberfläche ist wirklich hübsch und machte ja bereits auf den Screenshots viel her. In der Realität aber wurde so viel gestrafft, dass wichtige Funktionen fehlen. Ganz oben auf der Liste der fehlenden Dinge steht etwa eine Hilfe, die erklärt, welche Taste an welcher Stelle welche Funktion hat. Das ist auch für alte Hasen ärgerlich, weil viele Tastenbelegungen geändert wurden. Zwar blendet die Software an einigen Stellen ein, welche Optionen wir haben. Das tut sie aber nicht immer und das ist auch schnell übersehen.

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Die neue Oberfläche sieht sehr schick aus, ist aber leider wenig bedienerfreundlich.
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Das Song-Karussell, welches mit Singstar auf der Playstation 3 eingeführt wurde, ist nun einem Teppich gewichen wie ihn etwa Apple inzwischen auch für iTunes bevorzugt. Der Vorteil ist, dass mehrere Interpreten oder Songs auf einer Seite Platz haben. Auf den ersten Blick erscheint das noch etwas ungewohnt, könnte aber bei Singstar tatsächlich für große Bibliotheken nützlich sein. Wie schon bei iTunes finde ich aber verwunderlich, warum so sehr auf große Cover gesetzt wird. Oft weiß man doch gar nicht, wie das betreffende Album aussieht und so lenkt die als die optische Hilfe gedachte Funktion nur ab.

Ganz verschwunden sind Medleys. Nicht mehr speziell angewählt werden können Duette und Rap-Stücke. Diese sind zwar weiterhin mit einem Piktogramm auf dem Song markiert, aber ohne Filter nur schwer zu finden. Neu ist dafür, dass wir uns Songs aus bestimmten Jahrzehnten oder in einer bestimmten Sprache anzeigen lassen können. Das war dem Team offenbar so wichtig, dass es dafür neben dem Genre-Filter jeweils einen eigenen Punkt im Menü gab.

Verzichtet hat man ebenso auf alle vorhandenen Modi. Mit der App wie auch mit der neuen Disc kann nur noch Song für Song gesungen werden. Andere Spielvarianten, wie den Party-Modus, gibt es nicht mehr. Ebenfalls gestrichen wurde die Personalisierung durch Namen. Wer seinen Highscore eintragen möchte, kann diesen offensichtlich nachträglich ergänzen. Leider ist dieses Menü noch von einem schweren Bug betroffen. Anfangs gab es lange Ladezeiten und inzwischen ist es ganz weiß. Vielleicht hätte man "Beta" an die App schreiben sollen.

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Es gibt ein neues Punktesystem und wir sehen jetzt unsere eigene Tonspur von der Stimme besser.
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Denn die lange Liste mit Fehlern ist einer der ganz wesentlichen Gründe für den verpatzten Start. Die Tonqualität der Aufnahme beim Singen ist katastrophal und macht die sonst so lustigen selbst aufgenommen Videos im Moment sinnlos. Und das, obwohl es noch nie so einfach war, Inhalte in sozialen Netzwerken zu teilen und wir Filter und Gesichter live einblenden können. Egal mit welchem Mikrofon-Typ wir arbeiten und ob der eigentliche Gesang ausgeblendet wird, das Ergebnis ist richtig mies.

Die neue Mikrofon-App funktioniert ansonsten tadellos und ist eine echte Bereicherung, wenn das Wlan stark genug ist und ist weniger störanfällig als die kabellosen Mikrofone. Schade ist nur, dass wir uns entscheiden müssen, was wir nutzen wollen. Eine Mischung verschiedener Typen ist nicht möglich. Innerhalb der App lässt sich ansonsten auch eine Wiedergabeliste anlegen, die auf der Konsole jedoch nur etwas versteckt im Touch-Menü zu finden ist und auch nicht automatisch startet.

Kommen wir nun zum Punkt des Inhalts, also den Musikstücken. Der neue Singstore gleicht in der Oberfläche dem regulären Karaoke-Menü. Wie viele Songs genau in dem neuen Shop sind, lässt nur schwer ermitteln, diese Zahl ist nun verborgen. Grandios ist übrigens auch, dass eine Suche komplett fehlt. Es sind aber ungefähr 650 Stücke. Auf der Playstation 3 waren es schon 2011 über 2.500 Songs. Es ist also klar, dass hier zwangsläufig nicht alles dabei ist und wir können nur hoffen, dass Sony alles daran setzt, den alten Katalog auf die neue Konsole zu bringen. Interessanterweise fehlen selbst Lieder, die noch in diesem Jahr in den Singstore gebracht wurden. Warum nicht gleich entsprechende Verträge für die neue Konsole gemacht wurden, ist unverständlich.

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Die neue einheitliche Funktion zum Pinnen von Inhalten macht es einfacher, diese später wieder zu finden - auch im Singstore.

Der Launch der neuen App war sowie ein Kapitel für sich. Viele Nutzer berichteten darüber, dass ihre Songs auf der Playstation 3 verschwunden waren. Da die neue, im Umfang verschlankte Anwendung auch auf der alten Konsole zum Einsatz kommen sollte, gab es wohl Komplikationen, die erst mit dem Launch der überarbeiteten App behoben wurden. Zwar lassen sind nun alle Lieder wieder in der Kaufübersicht, müssen aber zum Teil erneut herunterladen werden. Die alte App hatte übrigens eine Funktion, mit der alle fehlenden Lieder der Datenbank hinzugefügt werden konnten. In der neuen App fehlt so ein Feature. Mühselig müssen alle Songs einzeln für den Download ausgewählt werden.

Beim Singen gibt es inzwischen eine neue Bewertungsskala leicht angepasste Begriffe. Grundsätzlich funktioniert aber Singstar immer noch genauso. Als Hilfe gibt es allerdings noch eine Linie, die unserem Ton folgt und wir so besser sehen, ob wir ihn treffen. Übrigens, weil Sony ja aber offenbar in großer Streichlaune war: Es gibt jetzt keine unterschiedlichen Schwierigkeitslevel mehr und wer nur Lust auf einen kurzen Song hatte, muss darauf nun ebenso verzichten. Die Erweiterungen für Singstar Dance und Singstar Guitar sind ebenfalls rausgefallen - auf Playstation 3 und Playstation 4.

Ein weiterer Witz ist, dass in der App derzeit noch eine Funktion fehlt, um eine Disc einzulegen oder zu wechseln. Wahrscheinlich hat Sony darauf auf der Playstation 4 verzichtet, weil es ohnehin nur eine Edition gibt. Dass nicht auch Playstation 3- und Playstation 2-Editionen unterstützt werden, ist ein bisschen schade. Das verkleinert den Katalog noch einmal deutlich und stößt jene vor den Kopf, die treue Fans der Serie und von Playstation sind. Allerdings vermute ich persönlich, dass ein solches Feature irgendwann noch nachgereicht wird.

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Im Singstore sind leider noch zu wenig Stücke im Vergleich zur PS3-Version, was gerade jene ärgern wird, die umsteigen wollten.

Sowieso kann davon ausgegangen werden, dass viele Ärgernisse mit dem neuen Singstar über die kommenden Monate behoben werden. Aber es ist der erste Eindruck, der zählt und im Fall von Singstar für die Playstation 4 ist es eine Katastrophe. Das neue Spiel wurde um viele Funktionen beschnitten, es ist an vielen Stellen weniger benutzerfreundlich geworden und der Umfang ist etwas Bescheiden. In London versucht man nun die Scherben zusammenzukehren und arbeitet sicher mit Hochdruck an der Behebung der noch immer vorhandenen Fehler und an den genannten Kritikpunkten - oder findet noch bessere Lösungen dafür. Der Punkt ist aber, wir wissen nicht, was dort passiert und wie lange wir darauf warten müssen.

Zwei kleine Lichtblicke gibt es dennoch. Der eine ist das neue Erfahrungspunkte-System, welches Singstar endlich wieder für Solo-Partien sympathisch macht. Kleine Aufgaben und ein Rangsystem sorgen für die nötige Motivation. Das zweite ist so ein Beispiel dafür, wie ein altes System durch ein neues, besseres ersetzt. Richtig ist, wir können online nicht mehr gegeneinander antreten. Das war aber ohnehin schon immer etwas problematisch und machten selten viel Spaß. Als neues Feature gibt es neben den lokalen Bestenlisten auch wöchentliche Online-Ranglisten, über die wir unsere Freunde herausfordern oder uns mit Spielern auf der ganzen Welt messen können.

Trotzdem bleibt die Erfahrung mit Singstar auf der Playstation 4 durchwachsen. Als Anhänger der ersten Stunde, der schon viel zu viel Geld in das Spiel versenkt hat, kann ich nur hoffen, dass die Probleme bald behoben werden. In seiner jetzige Form ist es eher ein Schritt nach vorn und zwei zurück und noch dazu nerven viele Fehler in der Software. Und übrigens, wer über den Kauf von Singstar: Ultimate Party nachdenkt: Unter den 30 Liedern gibt es drei mit Xavier Naidoo, zwei mit Tim Bendzko und eins mit Unheilig. Über die Songs hinaus gibt es keine Unterschiede zur kostenlosen App.

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04 Gamereactor Deutschland
4 / 10
+
Mikrofon-App, Freunde können einfach herausgefordert werden, neues Erfahrungspunktesystem
-
unübersichtlich und wenig bedienerfreundlich, nur ein Bruchteil der Songs im Singstore, fehlende Multiplayer-Modi, fehlende Erweiterungen, keine Unterstützung von PS2- und PS3-Discs, keine kurzen Songs mehr, viele Bugs
overall score
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