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Metroid Dread

Metroid Dread

Im neuen Metroid steckt jede Menge Arbeit, doch die zahlt sich am Ende aus.

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Mercurysteam versteckt am Rand des Pfades ganz vorsichtig Brotkrumen, die uns grob die Richtung unseres nächsten Ziels weisen.

19 Jahre lang hat es Nintendo nicht fertigbekommen, eine anständige Fortsetzung des 2D-Sidescrollers Metroid zu entwickeln. Während Retros 3D-Trilogie Metroid Prime brillant war, fühlten sich Spin-Offs - sowohl von japanischen Entwicklern (Team Ninjas filmisches Other M) als auch von den amerikanischen Studios (Next Level Games' Federation Force) - wie schwache Versuche an, der Marke gerecht zu werden. Nur die Remake-Bemühungen (Nintendos eigenes Zero Mission und Mercurysteams Samus Returns) haben bei den Fans noch etwas Hoffnung geweckt. Nun kehrt das spanische Studio, das rein zufällig das einzig wahre "Metroidvania"-Studio der Welt ist (weil sie das einzige Team sind, das sowohl Metroid- als auch Castlevania-Spiele produziert hat), zurück, um Samus Aran in all ihrer Pracht zu neuen Höhen zu führen.

Metroid Dread ist ein reines, ernsthaftes Metroid-Erlebnis. Dieser intelligent gestaltete 2D-Action-Plattformer nimmt die meisten Zutaten der ersten vier Metroid-Ableger auf und kombiniert sie mit ein paar modernen Spielideen. Einiges davon wurde mit dem 3DS-Remake des Game-Boy-Klassikers bereits eingeführt, der aus offensichtlichen Gründen zurückgehalten werden musste, aber das soll diesem Spiel keinen Abbruch tun. Metroid Dread könnte meiner Meinung nach der bislang beste Versuch sein, die Erkundung eines Labyrinths mit kontinuierlichem Spielfortschritt zu mischen, während eine Geschichte erzählt werden soll.

Bevor ich das ausführe, ein kleiner Hinweis: Erwartet bitte nicht die gleiche Immersion und den Umfang, den wir in Metroid Prime 4 erhalten haben. Metroid Dread ist ein gestautes Erlebnis, das ich nach weniger als acht Stunden abgeschlossen (aber auch nur zu etwa 40 Prozent vervollständigt) habe. Die meisten Spieler werden die Credits beim ersten Versuch auf dem normalen Schwierigkeitsgrad also vermutlich in unter sieben Stunden erreichen. Das ist keineswegs eine schlechte Nachricht für diejenigen, die die alten Spiele schätzen (damals war eine Spielzeit zwischen sechs und zehn Stunden normal). Ich begrüße diese Entscheidung, da die Entwickler ein gutes Tempo und eine ausgewogene Formel gefunden haben.

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All die Tastenkombinationen der fortgeschrittenen Bewegungsoptionen zu verinnerlichen, spricht das Muskelgedächtnis an, das ich mir in der SNES-Ära antrainiert habe.

Der Schlüssel zum Erfolg war und ist immer das richtige Level-Design gewesen. Samus' Abenteuer auf dem Planeten ZDR hat einen definitiven Oldschool-Charakter, denn Fleiß und Aufmerksamkeit zahlen sich aus. Diesem Spiel gelingt es sehr gut, uns glauben zu lassen, dass wir uns verirrt haben, dabei sind wir meist gar nicht so verloren. Dieser Eindruck trügt jedoch, da das Studio die Wege, die man im Moment noch nicht nehmen kann, lediglich meisterhaft verschleiert. Vertraut den Entwicklern einfach und schreitet mutig voran, dann liegt ihr eigentlich nie falsch. Besonders erfrischend ist, das Metroid Dread wirklich keine Lust hat, uns auf ausgetretenen Pfaden wandeln zu lassen. Natürlich sucht man manche Orte mehrmals auf, aber ich habe mich nicht ein einziges Mal darüber geärgert, mal wieder meinen eigenen Fußspuren folgen zu müssen.

Das liegt zum Teil auch an den vielen Fähigkeiten, die ihr im Verlauf des Spiels freischaltet. Auf euch warten eine Menge unterschiedlicher Kräfte und Technologien, sogar noch viel mehr als in vergangenen 2D-Metroid-Kapiteln. Spannend ist auch, dass man meistens nicht genau das Upgrade erhält, das die offensichtliche Lösung zum Erreichen eines Ziels wäre, welches ihr vielleicht bereits ins Auge gefasst habt. Stattdessen erhalten wir zuvor meist ein, zwei oder mehr Ressourcen, die auf dem ersten Blick nicht den gewünschten Effekt herbeiführen. Dieser Ansatz führt uns ein bisschen an der Nase herum, denn er vermittelt ein Gefühl von Entscheidungsfreiheit, das in diesem Maße gar nicht so wirklich vorhanden ist. Das Spiel ist die meiste Zeit also gar nicht so offen, wie es vielleicht wirkt, doch die lineare Natur wird meisterhaft kaschiert. Hinweise und Anleitungen findet ihr unterwegs in Form von Missionsprotokollen, aber mehr als einmal muss man selbstständig nachdenken, wohin sich Samus als nächstes aufmachen soll. Ein kleiner Tipp: Falls ihr irgendwie hingekommen seid, dann gibt es dort auch etwas für euch zu tun.

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Auch die Menüs versprühen das gewohnte Metroid-Gefühl, doch der Spiel-Font ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Dass Samus unglaublich agil ist, hilft diesem Spiel übrigens sehr. Sie hetzt durch die verschiedenen Räume und Zonen, löst im Vorbeigehen Umgebungsrätsel und wehrt wann immer es nötig ist Gefahren ab. Dieser Mix erinnert mich am ehesten an eine ungebändigte Version von Samus Returns, da sich neben den alten Techniken neue Moves anhäufen. Am Ende drückt man fast alle Tasten gleichzeitig, um noch fortschrittlichere Bewegungen auszuführen, was richtig spaßig ist. Wir zerbrechen Blöcke, halten Feinde in Schach und fühlen uns von Stunde zu Stunde mächtiger, während sich Samus' Anzug allmählich mit weiteren Hilfsmitteln füllt.

Es gibt verschiedene Gründe, warum sich diese Gameplay-Schleife bestehend aus Puzzle-Sektionen und dem Abschießen von Feinden nicht so schnell abnutzt. Dazu gehören einige gut durchdachte Skript-Sequenzen und so manch ein Ereignis, das Einfluss auf die verfügbare Karte nimmt (wir bleiben so vage, weil wir euch nichts vorwegnehmen wollen). Auch die Begegnungen mit den größeren Feinden gehören dazu, damit sind Hinterhalte, die sieben EMMI-Roboter und natürlich die Hauptbosse gemeint. Die mechanischen Wächter, die besonders präsent beworben wurden, sind glücklicherweise nicht so schrecklich, wie sie auf den ersten Blick erschienen. In den Zonen, in denen die EMMIs patrouillieren, verändert die Präsenz dieses unnachgiebigen Feindes allerdings sehr deutlich das Spielgefühl und das Tempo. Meist müssen wir vor der Gefahr davonlaufen oder von vornerein versuchen, nicht entdeckt zu werden.

Um diese Abschnitte zu lösen, müsst ihr bestimmte Rätsel überwinden und dafür sorgen, dass Samus' Omega-Blaster voll aufgeladen ist. Nur so könnt ihr die EMMI besiegen und ihnen ihre charakteristische Fähigkeit abknöpfen. Das ist spielerisch nichts Außergewöhnliches, aber es ist ein zufriedenstellendes Fortschrittssystem. Ganz ähnlich funktioniert das auch bei den Bossen, die sich seit Samus Returns stark verbessert haben. Einige dieser Begegnungen legen ein hohes Niveau an den Tag, denn sie sind abwechslungsreich gestaltet worden und in einigen spezifischen Fällen sogar richtig herausfordernd. Ein bestimmter Boss kann jedoch trotz einer gewissen Variation, mit der Zeit etwas repetitiv werden (aber so etwas hat man ja häufig dabei).

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Freut euch auf viele zurückkehrende Fähigkeiten und einen Satz frischer Upgrades.

Einige Szenen aus Metroid Dread werden filmisch eingefangen, aber auch sonst fällt auf, dass wir hier von einem sehr schönen Spiel sprechen. Kunst und Technologie gehen Hand in Hand in diesem visuell sehr ansprechenden Gesamterlebnis. Manche Umgebungen sind mit erstaunlichen Details versehen worden und ein paar der Animationen sehen echt toll aus. Die Ankunft in Gegenden, wie etwa Burenia, fühlt sich trotz der veränderten Perspektive fast so atmosphärisch an, wie damals in Metroid Prime. Selbst wenn man in diesem Spiel auch allgemeinere Gestaltungen findet, gibt es verschiedene Orte und Momente, an die man sich sicher noch eine Weile erinnern wird.

Apropos erinnern; Metroid Dread ist ein interessanter Eintrag, selbst wenn wir uns nur die Erzählung ansehen. Das Spiel hat einige nette Wendungen für uns vorbereitet und es wagt einige mutige Schritte, die sich auf die kanonische Überlieferung der Serie auswirken. Ich kann euch nicht mehr verraten, aber wenn ihr euch für die originale Metroid-Handlung interessiert, dann wird euch das Spiel nicht kalt lassen.

Alles in allem hat mich Metroid Dread deshalb sehr zufriedengestellt. Ich fühlte mich tatsächlich fast wie damals vor 20 Jahren, als ich Metoid Fusion abschloss. Das Spiel macht beim Gameplay nichts besonders Gewagtes oder Bahnbrechendes, doch die vorhandenen Bausteine fühlen sich meisterhaft miteinander verbunden an und sie sind alle gut integriert worden. Man wird zwar mit jeder Menge Fähigkeiten beworfen, die nicht alle ihr volles Potential entfalten, aber am Ende bin ich sehr zuversichtlich, dass Metroid-Fans mit diesem Spiel eine Menge Spaß haben werden.

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Mit diesem Spiel werden Fans der alten Schule ihren Spaß haben, da bin ich sehr sicher.
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Agilität fühlt sich großartig an, suggestiver Spielfortschritt, Backtracking wird gut verschleiert, mutige Geschichte, ein paar fantastische Zwischenbosse und gescriptete Momente, Feinde haben sich weiterentwickelt, technisch sauberes Erlebnis.
-
hässliche Typografie, ein paar generische Designs, einige Dinge wiederholen sich, manch ein Upgrade lässt Potential liegen.
overall score
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