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Lost Horizon 2

Lost Horizon 2

Rainbow Arts ist ambitioniert gestartet, musste aber während der Entwicklung das Konzept ändern. Das tat dem Adventure offensichtlich nicht gut.

Fenton Paddock ist ein echter Haudegen. Er sieht aus, wie Nathan Drake aus der Uncharted-Reihe und hat immer einen lässigen Spruch auf den Lippen. Für seine Arbeit untersucht er merkwürdige Vorkommnisse in Konfliktherden dieser Welt, mit der Gefahr kennt er sich also aus. Er tut all das für seine Tochter Anna, die auf ein deutsches Internat geht. Sein Lebensstil lässt es leider nicht zu, dass er seine Tochter allzu häufig sieht, auch wenn er sich das wünscht. Deshalb bringt uns Animation Arts nun ein Spiel, in dem die beiden mehr miteinander zu tun haben - Familienzusammenführung, quasi.

Lost Horizon 2 ist ein klassisches Point&Click-Adventure, das zur Zeit des Zweiten Weltkrieges spielt. Das Spiel verfügt über alle gängigen Mechanismen des Genres und an einigen Stellen dürfen wir sogar mit mehreren Charakteren gleichzeitig Rätsel lösen. Am intensivsten zeichnet sich Lost Horizon 2 durch den umfangreichen Einsatz verschiedenster Interaktionsmöglichkeiten aus, auch wenn das bisweilen etwas zu gut gemeint wirkt. Es spricht ja nichts dagegen, Objekte händisch zu öffnen, oder Schilder manuell zu putzen. Aber viele dieser Anwendungsfelder haben ihre Schönheitsfehler und lassen uns unnötig lange darauf verweilen, weil sich ein wichtiger Hinweis einfach nicht freischaltet. Bei diesen Schildern ist es zum Beispiel so, dass wir nicht davon loskommen, ehe nicht ein großer Prozentsatz der Fläche mit der Maus von Schmutz befreit wurde. An solch einem Bildschirm kann man daher mit Leichtigkeit verzweifeln, was das Spiel aber nicht interessiert.

Lost Horizon 2
Am intensivsten zeichnet sich durch den umfangreichen Einsatz verschiedenster Interaktionsmöglichkeiten aus, auch wenn das bisweilen etwas zu gut gemeint wirkt.

In sechs Kapiteln zeichnet sich eine Geschichte um die Schatzsuche seltener Artefakte aus dem Zeitalter der Wikinger nach. Egal ob Nazis, KGB oder noch undurchsichtigere Geheimgruppierungen, alle suchen die mysteriösen Kräfte der nordischen Götter, die eng mit den Wikingern in Verbindung stehen sollen. Fenton interessiert sich für Schätze und Mythen eigentlich nur am Rande, doch seine Tochter gerät in die Hände dieser niederträchtigen Leute und er muss sie befreien. Ehe sich die beiden versehen, stecken sie mittendrin in einem Abendeuter, dass uns durch Wüsten, Eislandschaften und verwitterte Nazi-Bunker führen wird.

Für das Leveldesign wird Lost Horizon 2 sicher keinen Innovationspreis gewinnen, dafür binden sich all diese Areale gut aneinander und spielen sich tatsächlich sehr unterschiedlich. Einmal muss man in einem Wald ein Versteck ausfindig machen, ein anderes Mal den Motor eines Helikopters reparieren. Auch wenn das Spiel insgesamt recht kurz ist, verfügt es über eine große Bandbreite an Aufgaben. Die Geschichte bildet den treibenden Faktor von Lost Horizon 2, auch wenn sie zum Ende hin etwas ins Mystische abdriftet. Das muss man wahrscheinlich mögen.

Leider ist Lost Horizon 2 sehr statisch, was dem Spiel überhaupt nicht gut tut. Das Spiel leidet sichtlich unter den eigenen Grenzen, denn der Spielfluss ist linear und unflexibel. Wenn Objekte miteinander kombiniert werden, hören wir nur ein dumpfes Klicken, statt schlauen oder lustigen Kommentaren. Nach einiger Zeit wird das recht frustrierend, auch weil das Spiel in dieser Hinsicht nicht besonders leicht ist.

Außerdem machen die Entwickler allzu häufig von kurzen Videoszenen Gebrauch, statt aufwendige Animationen zu implementieren. Das ist natürlich verständlich, aber es trägt leider auch nicht zur Dynamik des Spiels bei. Lost Horizon 2 bietet übrigens eine Komplettlösung an, falls bestimmte Abläufe für uns nicht ersichtlich werden. Diese kleine Hilfestellung ist von fast jedem Punkt des Spiels aus erreichbar und hat sich in meinem Fall als wertvoller Reisebegleiter erwiesen.

Lost Horizon 2
Das Spiel leidet sichtlich unter den eigenen Grenzen, denn der Spielfluss ist linear und unflexibel.

Im Vorfeld der Veröffentlichung haben die Entwickler die vielen Features hervorhoben, die Lost Horizon 2 so speziell machen sollten. Unter anderem wurde beispielsweise die Erkundung der Umgebung mittels Vogelperspektive beworben. Im Spiel gibt es tatsächlich einige wenige Stellen, in denen sich die Perspektive auf das Spiel verändert und in die Draufsicht wechselt, doch das sind auch mit Abstand die unschönsten Momente des Spiels.

An solchen Stellen merkt man wieder, dass die Entwickler sich lieber voll und ganz auf das hätten konzentrieren sollen, was sie selbst so gut bewerkstelligen können - die liebevoll gestalteten Hintergründe. An anderen Stellen wird ein gesondertes Menü geöffnet, in dem wir mehrere Objekte in einer vorherbestimmten Reihenfolge zusammensetzen müssen. Leider sind diese Mini-Rätsel wiederum viel zu leicht und kommen darüber hinaus auch nur sehr selten vor. Insgesamt wirkt es daher auch etwas lustlos.

Ehrlich gesagt fällt es mir sehr schwer, Lost Horizon 2 allzu viel Gutes abzugewinnen. Das Spiel ist fordernd und bietet mit seiner übernatürlichen Geschichte eine gute Basis, die jedoch von so vielen Kleinigkeiten untergraben wird. Ich glaube nicht, dass Lost Horizon 2 auf breite Akzeptanz treffen wird, denn Zielgruppe sind primär offensichtlich die hart gesottenen Fans von Point & Click-Adventures. Dass mich Lost Horizon 2 nicht überzeugen konnte, liegt vor allem am durchwachsenen Einsatz vieler unausgegorener Gameplay-Elemente. Das ist sehr schade, weil es vor über zwei Jahren so ambitioniert startete, als das Spiel in die Entwicklung ging.

Lost Horizon 2
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06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
eingebaute Lösungshilfe, Story als treibender Faktor, parallel spielbare Charaktere mit eigenem Inventar, fordernde Rätsel
-
Technik nicht zeitgemäß, altbackene Szenarien, Charaktere könnten mehr Liebe vertragen
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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