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Kinect Sports

"In 18 Monaten die Nummer eins"

Oliver Kaltner ist Country Manager Entertainment & Devices bei Microsoft und somit auch verantwortlich für Xbox 360. Der 41-Jährige steuert die Abteilung seit Februar 2009. Jetzt erlebt er als Chef mit Kinect seinen ersten großen Hardware-Launch bei Microsoft. Wir haben in München mit dem Manager über Zielgruppen, Wohnzimmergrößen und seine CD-Sammlung gesprochen.

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Oliver Kaltner, Country Manager Entertainment & Devices bei Microsoft

Oliver Kaltner, wie fühlen Sie sich derzeit rein geschäftlich? Mehr Marktführer? Eher Angreifer? Oder gar Mitläufer?
Für Microsoft bedeutet Kinect für die Xbox 360, dass wir im positiven Sinne angreifen können. Wirtschaft hat ganz ganz viel mit Sport zu tun, sich mit den Starken messen. Wir haben in ganz Europa und natürlich in der ganzen Welt mit Xbox 360 einen großen Erfolg gehabt, nur in Deutschland die Potenziale nicht optimal nutzen können. Wir waren hier die action-orientierte Konsole. Mit Kinect können wir jetzt ganz andere Zielgruppen ansprechen. Und wir haben nicht einfach nur ein innovatives Angebot, sondern ein einzigartiges Angebot. Keiner hat Controller-freies Spielen - aber wir haben das. Ich bin sehr zuversichtlich und auch selbstbewusst genug zu sagen, wir haben in den letzten Monaten einen exorbitanten Marktanteil gewonnen. Aber ich will mit dem Thema Kinect für Xbox 360 die Nummer eins-Position in Deutschland gewinnen und zwar längstens in 18 Monaten, eher schneller.

Und Nummer eins heißt dann für die Konsolen insgesamt, Kinect soll also die Konsolen mitnehmen?
Genau. Seitdem wir das neue Design gezeigt haben und die 250-GB-Konsole positiv im Markt ankommt, weiß ich gar nicht, wo ich noch versuchen soll Ware herzubekommen, weil sie in Deutschland sofort durchverkauft wird. Wir haben ein ganz starkes Momentum. Und wir machen ja nichts losgelöst, sondern wir sprechen mit der Presse, fragen wie ist die Einschätzung. Wir sprechen mit unseren Geschäftspartnern und wir kriegen natürlich auch über Blogs oder Social Communities ganz viel Feedback vom Endverbraucher. Ich glaube, dass wir keine 18 Monate brauchen, um die wirkliche Nummer eins zu werden.

Es gibt, vor allem in Blogs, einiges Gemecker über die teils langsamen Reaktion des Sensors. Zu Recht? Oder nervt es nur, dass die Videospieler immer die Fehler suchen, anstatt das Tolle, das Interessante in einer Innovation zu sehen?
Das nervt mich wirklich. Ich meine, wir haben in Deutschland kulturell betrachtet eher die Tendenz das zu suchen, was noch nicht da ist. Das Spektrum an Feedback ist sehr, sehr breit. Im Kern ist es schon so, dass wir sehr, sehr positives Feedback bekommen. Und zwar auf das Spielprinzip und auf die Kombination mit Social Community und Social Entertainment. Das ist ja nicht nur eine Hardware-Lösung die wir anbieten, sondern da ist ganz ganz viel Microsoft-Software drin. Da ist ganz ganz viel Windows 7-Technologie drin. Da weiß jeder, insofern er sich im Original-Umfeld bewegt, auch permanente Updates bekommt. Wir werden das weiter immer wieder optimieren. Und wir sind offen und selbstkritisch genug, um in Dialog zu bleiben und Dinge einfach auch permanent zu optimieren. Weil es aber in erster Linie Software ist, ist das keine große Hürde. Wir sammeln momentan viel Feedback ein. Es ist ein völlig neues Produkt, ein völlig neues Konzept, ein völlig neues Prinzip. Wir haben keine historischen Vergleichsdaten. Also wir lernen natürlich auch mit den Erfahrungen.

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Neue Zielgruppen will Microsoft erschließen, auch ältere Herrschaften gehören dazu.

Wen sieht Microsoft in erster Linie als Käufer von Kinect?
Da gibt es natürlich nicht den idealtypischen Käufer. Wir haben natürlich relativ viel Skepsis erfahren durch die Core-Gamer als wir Kinect vorgestellt haben. "Jetzt verlässt uns Microsoft und Microsoft will jetzt nur noch Family Entertainment machten." Das hat sich spätestens mit der Gamescom 2010 in Köln wirklich geändert, weil viele Core-Gamer Kinect ausprobiert haben. Im Rahmen der Tokyo Game Show haben wir natürlich auch Spiele für Core-Gamer angekündigt, die auf die technische Brillanz gehen, die auf die grafische Brillanz gehen. Wir werden im Rahmen der Startphase 19 Spiele haben, das ist für diese Industrie exorbitant viel ist.

Für Hardcore-Gamer ist da aber nix dabei.
Ganz bewusst haben wir gesagt, wir gehen jetzt auf Casual Gaming, weil wir eine Erweiterung brauchen. Wir werden sicherlich künftig Hybrid-Lösungen sehen, da steuere ich über Bewegung, über Sprache, aber auch mal über den Controller. Viele Spiele-Entwickler sind positiv gestimmt, so dass sie sagen, ich bin jetzt im Grunde genommen völlig frei, ich kann völlig neue Genres entwickeln. Wir haben mit Yoostar 2 ein Spiel, da wird man in einen richtigen Film eingearbeitet. Das wäre vor sechs Monaten noch undenkbar gewesen. Ich glaube, da passiert ganz ganz viel. Ich sag ganz bewusst immer, in Deutschland leben 82 Millionen Menschen, die Kinect-relevant sind. Die alle, abzüglich Babyquote, können spielen und Spaß haben.

Ich denke bei den Käufern eher an Menschen mit großen Wohnungen. Man muss ja mindestens 1,8 Meter Abstand zwischen Fernseher und Kinect-Sensor haben. Für zwei Spieler besser noch einige zehn Zentimeter mehr. Und dazu den Couch-Tisch wegräumen. Geht das in der eigenen Wohnung eigentlich problemlos?
Ich hab' ein irrsinnig großes Wohnzimmer. Aber ich hab' auch drei Fernseher zu Hause, die ich alle damit ausstatten will. Aber ja, es ist schon richtig, man braucht einen Mindestabstand von 1,80 Meter - ich empfehle sogar eher, wenn es geht, 2,50 Meter. Aber Kinect ist Bewegung. Steuerung über Bewegung, das heißt Freiraum schaffen. Den Couch-Tisch wegnehmen, das ist aber auch mal ganz gut, denn da stehen normalerweise eh immer Cola und Chips drauf. Wenn man sich bewegt, macht man etwas für die Fitness. Aber es natürlich auch das Spielen mit mehreren Personen und zwar nicht nur gegeneinander, sondern auch miteinander. Und das bedeutet sich Platz zu schaffen.

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Microsoft will die Spieler in Bewegung versetzen.

Das kann man jemandem zumuten?
Natürlich. Wir werden bald eine ganze Menge Reaktionen bekommen, wo Leute sagen werden: Wow, ich bin hier echt aus der Puste gekommen. Weil, so ein Spiel wie Kinect Adventure, was allen Produkten beiliegt, da muss man mit dem ganzen Körper etwas tun und arbeiten, das finde ich auch ganz gut. Das Spielen aus dem Sofa heraus, dafür ist es nicht, sondern es geht um aktive Bewegungen

Wenn man auf's Business schaut. Ist es so, dass die Hardware Kinect die gleichen Probleme wie die Software hat? Leidet Microsoft Deutschland eigentlich unter dem für die Publisher ja offenbar immer schwierigeren Markt, unter dem Preiskampf in Großbritannien?
Das ist eher ein Thema bei der Software. Wir haben genügend englischsprachige Konsumenten, die UK-Ware einkaufen, das ist bei der Hardware kein Thema. Aus zwei Gründen. Man braucht einerseits ein anderes Steckersystem. Und, das sage ich nicht mit froher Stimme: Die Nachfrage ist so viel größer als das, was wir wirklich einplanen konnten. Ich bin permanent mit meinem Team beschäftigt, Ware nach Deutschland zu bekommen. Reden wir da von Lieferschwierigkeiten? Bedingt, immerhin kriegen wir in Deutschland jetzt mehr Ware als wir budgetiert haben. Ich hab so eine große Nachfrage nach dem Sensor und den Konsolen, dass ich mit der chinesischen Fabrik verhandele, dass sie nicht den Seeweg nehmen, sondern den Luftweg, um die Ware zu liefern.

Das hört man ja eigentlich auch mal gerne, in Zeiten von Konsumkrise und Co.?
Das hört man total gerne, bedingt, weil natürlich auch Handelspartner natürlich sagen, ich könnte das fünf- oder sechsfache gebrauchen. Aber ich sag auch immer, das ist nicht nur das Weihnachtsgeschäft, Kinect ist für uns ein jahrelanges Thema. Bei der Software merken wir den UK-Effekt über den Währungsausgleich, bei der Hardware merken wir das gar nicht. Alles was ich bekomme an Hardware, ist im Markt sofort zu verkaufen.

Xbox Live beschäftigt uns viel bei Gamereactor. Warum kommen so viele grandiose Xbox Live Arcade-Games aus Skandinavien (Limbo), aus den USA (Super Meat Boy), aber kaum etwas in dieser Qualitätsdimension aus Deutschland? Macht Microsoft zu wenig für kleine Publisher?
An jeder erdenklichen Stelle werde ich immer wieder gedrängt mich zu äußern: Wie unterstützt Deutschland den Entwicklermarkt? Als Microsoft-Manager gesprochen, der nicht nur für Xbox verantwortlich zeichnet, sage ich: Wir unterstützen den Entwicklermarkt so intensiv. Das mündet aber meistens in Entwicklungen, die in Office for Mac, Office oder Windows eingebettet sind. Ich erwarte aber auch von den Entwicklern, dass sie mehr in das Gaming-Segment hineingehen. Jetzt hatten wir hier aber eine Positionierung, die er eng war, eher Action-orientiert war. Seit Kinect hat sich das verändert. Jetzt sagen auch viele in Deutschland ansässige, kleinere Entwicklereinheiten: Wow, jetzt können wir auf der Plattform was machen.

Sie gelten als Musikliebhaber. Wenn Kinect eine Band oder eine LP wäre, welche wäre das für Sie?
Das wäre meine mit Abstand seit Jahren Lieblingsband U2. U2-Fan bin ich seit 1980, ich bin stolzer Besitzer von 2800 CDs über alle Genres, die größenteils auch digitalisiert sind. Ich habe meine CD-Sammlung alphabetisch sortiert, sie geht aber mit U los. Das ist eine Band, die sich immer wieder neu erfunden hat, in der Originalbesetzung zusammengeblieben ist seit 30 Jahren. Die haben in kleinen Clubs angefangen und füllen heute die größten Stadien und die jedes Konzert zu einem Event weren lässt. Die bringen immer wieder etwas neues und überraschendes, aber die Band hat eine klare Handschrift. Da haben ich großes Respekt vor, solche Geschichten gibt's im Entertainmet kaum noch.

All das soll also Kinect sein?
Genau. Kinect ist keine Innovation für zwei Monate, sondern ich glaube, das wir damit die nächsten Jahre prägen werden. Darum ist der Vergleich mit U2 sicherlich gut.

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