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Ghost Recon: Future Soldier

Ghost Recon: Future Soldier

Knapp drei Jahre ist der neuste Teil der Reihe nun in der Entwicklung und endlich ist ein Ende in Sicht. Doch völlig gleich wie gut das fertige Spiel wird, Ghost Recon: Future Soldier wird es ganz schön schwer haben.

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Als Metallica im letzten Jahr ihre Kollaboration mit Lou Reed veröffentlichten, war die Wut unter den eingefleischten Fans groß. Das hätte ja alles nicht mehr mit Metallica zu tun, hieß es. Dabei hatte die Band zu jeder Zeit betont, dass es sich dabei um kein Metallica-Album handeln würde, sondern um etwas eigenes. Das Problem: Es stand Metallica auf der Verpackung und damit war die Erwartung an den Inhalt wie in Stein gemeißelt.

Bei Ghost Recon: Future Soldier ist es ähnlich. Seit vor knapp drei Jahren der Live-Action-Trailer veröffentlicht wurde, hat das Spiel einen schlechten Stand bei Fans der Reihe. Das sei doch kein Ghost Recon mehr. Der Protest der Spieler ging sogar soweit, dass man bei Ubisoft von dem ursprünglichen Konzept fast vollständig abgerückt ist. Das Ergebnis war eine außerplanmäßig lange Entwicklungsphase, die sich nun langsam ihrem Ende nähert. Knapp zwei Monate vor der Veröffentlichung durfte ich bei Ubisoft in das fast fertige Spiel hineinschauen und zwei Modi im Vier-Spieler-Koop anspielen.

Wir beginnen mit einem Level aus dem letzten Drittel der Kampagne. Die ersten Sekunden innerhalb der Kampagne verlaufen noch recht vielversprechend - nicht was das Spiel, sondern was unsere Zusammenarbeit im Team angeht. Zu Beginn schleicht unser Squad noch ganz entspannt durch das Gehölz, bis die ersten Gegner auftauchen. Hier wollte Creative Director Jean-Marc Geffroy eigentlich einführend demonstrieren, wie Gegnergruppen lautlos ausgeschaltet werden. Doch dazu kommt es nicht. Einer der Kollegen erwähnt kurz, dass er zwei Gegner im Visier hat und eröffnet das Feuer. Panik bricht aus, weitere Gegner kommen angerannt und sind nach einem kurzen Feuergefecht auch hinüber. So geht es natürlich auch. "Nächstes mal sind wir ein bisschen mehr 'Stealth'", sagt Geffroy grinsend.

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Der neue Teil ist noch etwas action-lastiger geworden als seine Vorgänger und die Präsentation deutlich filmischer.
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Das Feature, das uns der Entwickler eigentlich zeigen wollte, ist der Synch-Shot, mit dessen Hilfe unser Squad mehrere Gegner gleichzeitig ausschaltet. Das klingt natürlich im ersten Moment nach irgendeinem voll-automatisierten Krempel. An den Dead Eye-Modus aus Red Dead Redemption oder das so genannte Ausschalten aus Splinter Cell: Conviction zu denken, liegt dabei nahe. Auf letzterem basiert das Feature sogar, allerdings funktioniert es ganz anders, denn der Synch-Shot dient uns nur als Hilfestellung. Schießen muss hier noch jeder allein.

Per Schultertaste werden anvisierte Gegner markiert, was jedem Squad-Mitglied angezeigt wird. In unserem HUD sehen wir dann, auf welchen der markierten Feinde gezielt und wer noch verdeckt wird. Leuchten alle Markierungen auf, ist das der Schussbefehl für das gesamte Squad und schon sehen wir die Feinde in Zeitlupe zu Boden gehen. Dieser Effekt soll aber nicht nur schön aussehen, er dient dazu, weitere Gegner aufs Korn zu nehmen. So schafft es unser Squad, bei optimaler Positionierung auch mal acht Ziele auszuschalten. Ohne, dass die was davon mitbekommen. Schon geil.

Es ist dem Spiel ganz deutlich anzumerken, dass auf eine filmische Umsetzung besonderen Wert gelegt wurde. Zwischen den Missions-Abschnitten gibt es kleine Filmsequenzen und das gemeinsame Betreten neuer Räume wird oftmals von einer Kamerafahrt begleitet. Sicherlich wird selbst diese durch und durch positive Eigenschaft seine Kritiker finden. Alles was ja auch nur ein bisschen nach Hollywood aussieht stinkt ja gleich Call of Duty.

Ghost Recon: Future Soldier
Hier ist wundervoll zu sehen, wie der Synch-Shot funktioniert. Hat unser Squad alle Gegner im Visier, können wir abdrücken.
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Ein weiteres sehr vielversprechendes Feature ist die Individualisierung der Waffen. Dass es unheimlich cool aussieht, wie sich unsere Waffe in dem Menü in ihre Einzelteile zerlegt und immer wieder zusammensetzt, sei hier nur mal am Rande erwähnt. Es ist erstaunlich, wie wir Teile an den Waffen austauschen und so die Schusskraft, Präzision und Reichweite verändern können. Selbst der Abzug ist austauschbar. Praktisch für Scharfschützen ist das Stativ, das wir per Knopfdruck am Boden befestigen.

Um an unserer Knarre rumschrauben zu dürfen, müssen zunächst im Spiel Aufgaben erfüllt werden, die sich in Art und Schwierigkeit unterscheiden. Die Waffen-Challenge Shotgun Master verlangt beispielsweise von uns innerhalb von drei Sekunden drei Gegner mit der Schrotflinte zu erledigen. Eine Taktik-Challenge erfordert es, im gesamten Level unentdeckt zu bleiben.

Neben der Kampagne durften wir bei diesem Besuch bei Ubisoft auch den Guerilla-Modus, einen reinen Koop-Modus anspielen. Hier gilt es, unserer Hauptquartier vor immer stärker werdenden Gegnerwellen zu schützen. Schafft es einer der Gegner in die verteidigte Zone, startet ein Countdown. Schaffen wir es in dem kurzen Zeitfenster nicht, den Gegner aus dem Hauptquartier zu entfernen, ist die Runde verloren.

Zwischendurch werfen Hubschrauber Nachschub ab, an dem wir uns frei bedienen können. Auch neue Waffen und Gegenstände, wie Claymore-Minen oder Blendgranaten werden an den Kisten abgeholt. Besonders praktisch ist hierbei die Sensor-Granate, die für 30 Sekunden einen recht großen Bereich scannt und Gegner ortet. Die Sensor-Granate ist auch in der Kampagne von unschätzbarem Wert, da unsere Feinde ihren Einsatz nicht bemerken. Im Laufe der Zeit stehen uns sogar Geschütztürme und Luftunterstützungen zur Verfügung. Alle Zehn Runden tritt uns ein Boss-Gegner, beispielsweise in Form eines Panzers, gegenüber. Drei Stunden soll man laut den Entwicklern für die insgesamt 50 Wellen brauchen. Wenn man gut ist.

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Der Guerilla-Modus ist ein reiner Coop-Modus. Eine Gegnerwelle nach der anderen müssen wir zerlegen. Bis wir die 50 Runden durchhaben, sollen drei Stunden vergehen.

Auch wenn die ersten Minuten im Guerilla-Modus sehr viel Spaß gemacht haben, kann ich mir nur schwer vorstellen so lange oder sogar noch länger an diesem Modus zu sitzen. Dafür wirkt das ganze auf Dauer - noch - zu monoton. Zumal der Schwierigkeitsgrad bereits in den einstelligen Runden ziemlich schnell anzog. Scharfschützen und Gegner mit Schilden machten schon die frühen Runden zur Herausforderung. Für etwas Abwechslung sorgt immerhin, dass sich unser Team nach einem Boss-Kampf immer neu positionieren muss.

Der Guerilla-Modus ist ganz klar nur auf Action ausgelegt. Doch unsere Session in der Kampagne hat gezeigt, dass es den Spielern überlassen bleibt, wie sie die Missionen meistern. Wer gut genug zielt und immer schnell genug in Deckung geht, kommt auch mit Krawall durch die Level. Doch im Kollektiv zu schleichen und Gegner für Gegner unbemerkt auszuschalten, macht einfach mit Abstand am meisten Spaß. Ganz abgesehen davon empfiehlt sich die ruhigere Spielweise besonders für den höchsten Schwierigkeitsgrad. Denn hier ist bereits eine einzelne gegnerische Kugel tödlich - völlig gleich, wo diese uns trifft. Da sollte der Feind besser gar nicht erst dazu kommen, seine Waffe zu benutzen. Kommunikation wird besonders bei Online-Gefechten von größter Wichtigkeit.

Ghost Recon: Future Soldier wird es schwer haben. So viel steht fest. Es kann noch so gut werden, noch so spannend erzählt sein und noch so viel Spaß machen - das tut es in jedem Fall - der Widerstand ist gewiss. Denn der kommende Teil der Reihe fühlt sich ganz anders an als seine Vorgänger. Es mag dem Spiel und auch den Entwicklern gegenüber etwas unfair erscheinen, doch den Vergleich mit einem Spiel wird sich Ghost Recon: Future Soldier gefallen lassen müssen: Gears of War. Davon ist nämlich ein Großteil der Steuerung adaptiert worden, was die Entwickler auch offen zugeben. Rennen und Deckung suchen, sowie das Wechseln der Deckungen sind auf einer Taste vereint. Im Vergleich zu den Vorgängern spielt sich das alles tatsächlich viel intuitiver. Aber auch bei der Inszenierung kommt einem einiges sehr vertraut vor.

Ghost Recon: Future Soldier
Die Steuerung ist der von Gears of War nachempfunden worden und geht deutlich intuitiver von der Hand als in den Vorgängern.

Die Ähnlichkeiten zu anderen Spielen, sowie die filmische Präsentation werden es Ghost Recon: Future Soldier schwer machen als eigenständiges Spiel betrachtet werden. Allein die Vergleiche mit den Vorgänger werden eine Kritik heraufbeschwören, denn mit dem neuen Teil wird die Reihe noch etwas action-lastiger. Die Wochenzeitung Die Zeit bezeichnete das Album von Lou Reed und Metallica übrigens als eine Qual, die man ungern zweimal erleben möchte. Das zumindest wird mit Ghost Recon: Future Soldier sicherlich nicht passieren.

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